Oh wie schön ist Panama, nicht!!

Der zweite Erste Eindruck von Panama war erstaunlich. Ein paar Meter weiter waren die Busse klimatisiert und die Straßen gut geteert. Die Orte durch die wir fuhren schienen irgendwie moderner und besser strukturiert. In David angekommen wurde schnell klar, den Weg nach Santa Catalina nicht mehr am gleichen Tag schaffen zu können. Zumindest nicht mit dem Bus. Wieder kam das Thema Mietwagen auf den Tisch. Nicht für Martin, der brauchte essbares und überließ weitere Entscheidungen den beiden anderen. Die zwei fuhren mit dem Taxi zum Flughafen um das Auto abzuholen, das Daniel vorsichtshalber von Costa Rica aus reserviert hatte. Bei einem Mietpreis von einem Drittel gegenüber dem letzten, fiel diese Entscheidung recht einfach. So dachten wir zu diesem Zeitpunkt. Tina hatte leider ihren Führerschein vergessen, was Daniel zum alleinigen Fahrer machte. Offiziell. Martin aß und wartete mit dem Gepäck und wachsamem Auge. Bisher hatte jedes neue Land vorerst die Alarmsensoren auf sensibel gestellt. Das nächste Ziel ist bekannt für eine Weltklasse Welle. Ein Pointbreak. Und genug Swell war auch angesagt. Die Strecke mit 5 Stunden Fahrt wurde uns als schwierig erklärt, da es keine Beschilderung auf dem direkten Weg gibt.

Bananenlkw

Auf dieser Strecke gibt es immer wieder Kontrollposten. Das erklärte auch warum damals an der Grenze niemand etwas von uns wollte. Hier wird später und immer wieder kontrolliert. Es war schon dunkel. Und irgendwie hatte Daniel es nicht für nötig gehalten auf das auf- und abfunzeln des Polizeibeamten mit seiner Taschenlampe zu reagieren und fuhr einfach durch. Martin meinte er solle lieber anhalten, als dieser sich umdrehte und den Beamten zu seinem Fahrzeug rennen und die Blinklichter einschalten sah. Oh, Oh, dachten wir alle. Daniel wurde gebeten auszusteigen und zurück Richtung Kontrollstelle zu folgen. Wir sahen die zwei an der Haltelinie diskutieren und mit der Taschenlampe herumfuchteln. Als er zurückkam lachte er nur und erzählte uns wie der Polizist ihm versucht hatte zu erklären wie die verschiedenen Fuchtelzeichen mit der Taschenlampe zu verstehen wären und warum er diese denn missachtet haben könne, als ein LKW beim Zeichen für anhalten einfach durchrauschte. Beide mussten lachen und Daniel bekam nochmal Wegbeschreibungen und wurde entlassen. Nur wenige Kilometer weiter wurden wir erneut rausgewunken. Dieses Mal nicht mit Taschenlampenwedeln sondern einer Kelle. Daniel hatte ein Schild übersehen und war 30 km/h zu schnell gewesen. Die Versuche uns zu erklären, oder mit Fragen zum Weg, den wir nicht finden konnten, halfen nichts. Der Polizist erklärte uns, dass er das jetzt aufnehmen müsse und es 100 Dollar kosten werde. Erst als zum dritten Mal betretenes Schweigen entstand, bei der Frage, ob es nicht noch eine andere Lösung gäbe, fiel Martin der Groschen. Keiner von uns war korruptionsgeübt, und so zückte Martin den Geldbeutel und gab preis, noch 48 Dollar in bar zu haben. Diese Summe war wohl hoch genug, den Beamten mit inzwischen offener Hand, besänftigt zu haben. Er gab uns nun freundlich Auskunft, dass wir schon zu weit waren und den Hügel wieder hoch fahren mussten um zu unserer Abzweigung zu kommen. Später erfuhren wir, 20 Dollar hätten es wahrscheinlich auch getan. Die Abzweigung war nicht groß. Ein paar Jugendliche mit ihren Mopeds standen an der Ecke. Tina hatte kein gutes Gefühl als Martin sie nach der Richtigkeit fragte. Stimmt schon. Wären es böse Jungs gewesen, hätten sie uns in eine Sackgasse schicken können und wer weiß was.

Pferd vor Bar in Sona

Es war aber der richtige kleine Weg der uns noch knapp zwei Stunden durch die stockfinstere Nacht und durch ein paar Dörfchen führte bis wir unser Ziel erreichten. Santa Catalina.

Es war erst knapp Mitternacht, aber alles war wie ausgestorben. So auch das Hostel, das uns von Felipe in Costa Rica empfohlen wurde. Mit Glück fanden wir in der Nähe einen Nachtwächter, der Eddy weckte, einen Australischen Surfer, der das Chili Rojo managte und uns einen guten Preis für ein Privatzimmer und ein Bett im Dorm machte, da keine weiteren Dormbetten frei waren. Wir waren glücklich, denn ein Bett war alles was wir zu diesem Zeitpunkt wollten.

Trotz des netten Eddys zogen wir am nächsten Tag zu Rolo in seine Cabanas. Rolo ist einer der ersten gewesen, der Zimmer bzw. Zeltplatz und Hängematten in Santa Catalina vermietete.

Hostel Rolo

Man spürte den wahren Surfspirit bei ihm und seiner ganzen Familie, samt Lola.

Lola Porträt

Entspannt, locker, immer ein Witz auf den Lippen und bereit alles für das Surfen zu tun.

Feierabendrolo

Er selbst war aufgrund einer Schulteroperation nicht in der Lage mit uns zu surfen, aber seine Frau und einer seiner Söhne zeigten uns wo es langging. Mit dem Boot um die Ecke direkt an den Peak.

Point Santa Catalina

Wir nahmen das Auto, da Daniel immer noch keine Möhre hatte. Hätten wir doch das Boot genommen, denn der Weg über das scharfe Riff war nicht ohne. Auch die 20 Minuten paddeln bis zum Point schienen ewig. Dann tasteten wir uns vorsichtig heran an die ganz schon schwer und hohl brechende Welle, auf die weitere 30 Surfer warteten. Und da waren neben einem mehrfachen panamaeischen Jugendmeister ein paar anderer klasse Surfer. Also wieder Lehrgeld….aber die ein, zwei Ausläufer die wir erwischten, machten so was von Laune.

Balboa Beach

Hier in diesem kleinen Idyll fielen uns aber auch die anderen Unterschiede zu Costa Rica auf. Nur wenige Kilometer weg, mit quasi demselben fruchtbaren Boden, gab es hier kaum Früchte oder Gemüse. Und die, die es gab waren nicht schön und schmeckten bei weitem nicht so gut wie im Nachbarland. Auf Nachfragen erfuhren wir, das die Bewohner dort, das Gemüse einfach nicht so mochten, und wie der Markt eben funktioniert: keine Nachfrage…..

Panamaer traditionell

Ein anderer Grund war aber auch die Mentalität der Panamaer, die der sogenannten panamaeischen Millionäre. Sie hatten es nicht nötig mehr als das nötigste zu tun. Und die Touristen, mit denen sie zwar ihr Geld verdienen, mochten sie auch nicht. Nun gut, am Bodensee zur Hauptsaison kann das auch jeder nachvollziehen. Hier aber eine kleine Geschichte dazu: Da es im Supermarkt des Öfteren von irgendeiner Ware für ein paar Tage nichts gab, mussten wir eines Abends Bier bei einer Bar um die Ecke kaufen. Als wir um 21 Uhr die erste Doppelrunde holten fragten wir wie lange er denn offen habe. 23 Uhr war die Antwort. Als wir, im Schachspiel versunken, dann um viertel vor elf nochmal schnell Nachschub holen wollten, wollte der panamaeische Millionär, trotz zweier Gäste, die noch bei ihm an der Bar saßen, nicht mehr zum Kühlschrank laufen. Es half weder Höflichkeit, Fürbitte noch Logik. Auch die Wut löschte unseren Durst dann nicht mehr. Nur die nette deutsche Hostelmitbewohnerin Alexandra rettete uns mit ihrem Privatvorrat vor dem verdursten.

Ähnliche Freundlichkeit mussten wir erfahren, als wir auf der Suche nach Internet zum frühstücken in das einzige Restaurant/Hostel mit WLAN am Strand fuhren. Im Grunde ganz nett mit schöner Aussicht und normalfettigem Essen, aber der Unfreundlichkeit wie wir sie gewohnt waren. Als Martin Eddy davon erzählte, staunte dieser bei der Bemerkung den Kellner zum lächeln gebracht zu haben. Der Kellner war einer der drei Besitzerbrüder, von denen einer unfreundlicher als der nächste schien. In der Annahme das Internet als Gäste des Restaurants nutzen zu können, waren wir schon ein bisschen empört über die Tatsache, die halbe Stunde mit 3 Dollar extra bezahlen zu müssen. Wir waren ja keine Hostelgäste.

Am nächsten Tag gab es ein bisschen Wind und die Wahrscheinlichkeit endlich mal wieder kiten zu können stieg mit jeder Stunde. Und gegen vier Uhr wurde es wahr: Nach 7 Wochen endlich wieder kiten!!!

Kiten St Catalina

Es war zwar eher wie am Bodensee aber es war möglich. Nicht lange und bald nur noch für Tina, aber wir waren glücklich!

kiten St Catalina2

Daniels Zeit neigte sich zu Ende, nur gab es endlich mehr Swell. Martin wollte also nicht gehen, was nicht so einfach war. Nur Daniel durfte das Auto fahren, nur wollte er nicht nach David zurück. Das liegt in entgegengesetzter Richtung zu Panama City. Sch#@*§! So ist das, wenn man sich abhängig macht. Sämtliches diskutieren, da auch Tina sich an den ursprünglichen Plan halten wollte, half nichts. Martin wollte partout bleiben. Die einzigste Lösung war eine Dropoff-fee zu bezahlen, dass Daniel also das Auto auf dem Weg nach Panama (City) an anderer Stelle abgeben würde. Wir teilten also wieder durch drei, wie wir es bei allem auf der gemeinsamen Reise gemacht hatten und verabschiedeten unseren Freund Daniel. Danke an dieser Stelle für die tolle Zeit. Auch für die Lektion, genau zu überlegen mit wem man was plant, und von was man sich abhängig macht für welchen Preis. Wieder mal fiel uns der Abschied von einem neugewonnenen Freund schwer und seit langem waren wir das erste mal wieder allein zu zweit.

Ein paar Surftage später und ein paar kostenlosen Nächten durch Physiotherapie an Rolos Schulter war auch für uns die Zeit gekommen weiter zu ziehen. Glücklich wie der Zufall oft ist, war auch Eddys Zeit im Chili Rojo vorbei und er konnte uns auf dem Weg nach Costa Rica mit nach David nehmen.

Eddis Van

In seinem Van lagen wir hinten auf dem Bett und hatten ein bisschen Zeitdruck, da wir einen Bus nach Almirante erwischen wollten, um die letzte Fähre nach Bocas del Toro (Münder des Stiers) zu bekommen.

Im Van

An einem der Kontrollposten auf dem Weg war aber erst mal Schluss. Eddy hatte lange auf Papiere vom Vorbesitzer und vom Notar warten müssen, dadurch war irgendeine Erlaubnis abgelaufen. Auch hier war das Schicksal gnädig zu allen. Eddy sprach kaum/kein Spanisch. Martin sicherte also die Kommunikation zwischen den Parteien. Normalerweise hätte das Fahrzeug dort stehenbleiben müssen, da wir aber einen Bus erreichen mussten, und die Erlaubnis auch nur dort in David erneuert werden konnte, und vielleicht weil einer der Beamten sowieso nach David musste, fuhren wir alle zusammen mit offiziellem Führer weiter und erwischten den Bus gerade rechtzeitig. Wieder einmal war das Sportgepäck extra teuer. Dieses al besonders, da der Bus kein Gepäckstauraum hatte, mussten wir ganze vier Personen extra bezahlen und die Kitetasche lag quer über vier Sitze.

Die Strecke über die Berge war abenteuerlich, vor allem so wie der Fahrer sie fuhr. Bergauf versagte der Bus fast. Es war bei offener Türe und steigendem Abstand zur Meereshöhe trotzdem eher frisch. Wieder hatte sich das Wissen zu Busfahrten in Mittelamerika immer lange Kleidung mitzunehmen bewährt. Tina krallte sich ab dem Pass so in die Rücklehne des Vordersitzes, dass die Knöchel weiss wurden. Der Schaffner/Kassierer Stand immer noch entspannt an der offenen Türe, als wir an einem umgekippten Sattelzug vorbeifuhren. Halb durch das hohe Gras, aber wir kamen vorbei. An einem Stausee machten wir kurz Halt und Einheimische nutzen die Gelegenheit um ein bisschen Geld zu verdienen. Sie stiegen mit selbst abgepackten Früchten und Gebackenem ein und boten diese feil. Die schon geschnittenen Annanasscheiben waren süss und saftig, wie die Kokosschokobällchen. Und sie gaben Kraft für den nächsten Teil der Hardcorefahrt. Die Cocote-Früchte trauten wir uns nie zu kaufen. Zum Glück! Die kleinen grünen runden Früchte, etwa so gross wie Limetten, nur praller, schmeckten zum Kokot…., so konnte Martin sich auch den Namen merken. Ein Mädchen neben uns liess uns probieren, bitter und hart.

Als wir an einer Steilstelle einige komplett grauen Menschen im Dschungel entdeckten, erschraken wir als wir den dazugehörigen Zementlaster am Abhang sahen. Verwundert wie die Menschen, die die Strecke doch kennen mussten, doch solch große Probleme damit hatten, folgte der dritte.

LKW schräg

Diesmal war kein vorbeikommen, denn der LKW stand nach einem Versuch aus dem Grünzeug raus zukommen quer. Auch die Hilfe vieler wartender Menschen machten weder den gestressten LKW Fahrer ruhiger, noch die Wartezeit kürzer. Als der aufgebockte Anhänger beinahe kippte, war klar: Die Fähre bekommen wir nicht mehr. Aber auch hier war uns das Schicksal hold. Wir lernten Luis und Juanfe kennen, die in Bocas bzw. auf Bocas wohnten. Wir waren auf dem Weg zu einer Inselgruppe, auf der auch einer unserer Mitleidenden vom umgekehrten Miami – San José Flug wohnte. Chuck hatte uns angeboten eine Weile bei ihm unterkommen zu können. Die Welt ist klein! Auf einer Insel noch viel kleiner! Die Jungs kannten Chuck auch, was sich auf der Taxifahrt herausstellte, das wir bestellt hatten um überhaupt noch am selben Tag auf die Insel zu kommen, denn der Lastwagen stand immer noch quer. Als sich die Stausituation nach knapp zwei Stunden dann doch schneller als gedacht gelöst hatte, und der Busfahrer anscheinend versuchte die verlorene Zeit aufzuholen, stiegen wir an der nächsten Station gerne in das Taxi zu Luis um. Der Taxifahrer fuhr zwar nicht langsamer, dennoch fühlten wir uns in dem Pickup mit lautem panamaeischen Rap sicherer, als wir durch die dunkler werdende Nacht Richtung Fähranleger fuhren. Die Jungs meinten, man würde schon noch einen Weg nach Bocas finden, und versicherten uns, dass sie auf alle Fälle zu Hause schlafen wollten.

Almirante war wirklich keine Stadt in der man über Nacht bleiben wollte. Davon wurde auch im Führer abgeraten. Fix und fertig und heilfroh ein Wassertaxi organisiert bekommen zu haben, fuhren wir, entgegen aller Empfehlungen Nachts mit dem Boot zu fahren, bei Vollmond der sanft beleuchteten Inselgruppe entgegen.

Boot nach Bocas

Was das Leben auf Bocas zu bieten hat, lest ihr schon nächste Woche in:

Oh wie schön ist Panama, doch! ( Krank sein nicht )

Lola mit Löffel

 

Gottesanbeterin

Lola in Tasse

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