Oh wie schön ist Panama, doch! (Krank sein nicht)

Wieder war es beinahe Mitternacht als wir auf Carenero anlegten, der kleinen Nebeninsel, die nur per Boot erreicht werden konnte. Das erste Haus neben dem Steg war das Ziel. Chuck sass rauchend auf der Veranda und die mehrfache Pitbull Mama Cora bellte zur Begrüssung. Ein paar Bierchen später fiehlen wir in unser quietschendes Einzelbett. Am nächsten morgen sahen wir erst was in der letzten Nacht schon so schön von der Hauptinsel Colòn herüber leuchtete.

Panorama Bocas

Wieder ein neues kleines Paradies. Die Häuser auf der Gegenseite waren alle halb über dem Wasser gebaut, was mit den Palmen vor unserem Haus und dem schmalen Streifen Meer sowie den grünen Bergen im Hintergrund einen wunderschönen Anblick bedeutete. Als am Abend noch die Show, wie Chuck sie nannte, begann, also der atemberaubende Sonnenuntergang, war fast alles perfekt.

Sundowner Bocas

KatwProfilBocas

Fast alles. Martin hatte sich auf dem Weg eine Erkältung eingefangen, die jetzt, da etwas Ruhe einzukehren schien, mit Fieber und Schüttelfrost ausbrach. Zum Glück hatte Chuck einige Filme auf dem Laptop, die Martin noch nicht kannte. Das Fieber war am nächsten Tag vorbei, die Grippe konnte ihn auch nur knapp eine Woche im Bett halten, denn neben einer zu erkundenden Paradiesinsel, einem weltbekannten komplett über dem Wasser gebauten Partyhostel direkt nebenan, und vielen schönen Stränden, gab es Swell!!! Nicht viel, aber dieser brachte über dem flachen Korallenriff eine kräftige und schöne Wellen zustande. Mit traumhafter Kulisse.

Carenero

Tina surfCarenero Surf

Tina surf2

Als Tina dann auch noch ein paar Tage flachlag, schien erstmal alles überstanden. Im Nachbarhostel, der Aqualounge, war ein riesiges Loch in den Boden geschnitten, das als Pool diente, über den eine lange Slackline gespannt war. Zwei Schaukeln zielten hinein und ein Trampolin am Rand luden dazu ein, auf irgendeine Weise in das helle Blaugrün zu springen. Martin war der erste der nach ein paar Tagen Training, die Wasserline am Stück überquerte, was Jägermeister und tobenden Applaus bedeuteten.

Martin Slachline Aqualounge

Nur der Hostelmanager Hannes aus Belgien konnte es Martin gleichtun, nach vielen Versuchen. Über uns wohnte JJ der Hostelkoch und Surfenthusiast. Zur Aqualounge Familie fehlte noch Dex aus Canada, der morgens Flyer verteilte, tagsüber die vom Salzwasser angegriffenen Teile in Stand hielt und Abends in der Küche half. Sowie die Schweizerin Janine und der meistens schlecht gelaunte französische Besitzer Christian. Das lag wohl daran, dass er Probleme mit Chuck hatte, und da wir Freunde von ihm waren…. Trotzdem gingen wir regelmässig zu unseren Nachbarn, um uns von der schwülen Hitze von 40 Grad und unbeschreiblicher Luftfeuchtigkeit, durch einen Slacklineversuch, Trampolinsprung, oder Schaukelrittberger abzukühlen.

Tina Trampolin Aqualounge

 

So lernten wir auch einen weiteren Deutschen kennen, der auf Carenero wohnte. Noch einen Daniel. Und auch er spielte Schach. Und Poker, das drei mal die Woche auf einem alten Dampfer stattfand, der zu einer Bar umfunktioniert war, dem Riptide. (Das Riptide ist allerdings vor ein paar Wochen, bei einem Sturm untergegangen.) Daniel arbeitete in einem anderen Hostel, dem Gran Kahuna.

Gran Kahuna

Ein sehr gemütliches Hostel mit kleiner Bar und leckerem Restaurant, Hängematten über dem Wasser, und viel entspannter, da ein paar Gehminuten weiter und ohne Party jeden zweiten Abend.

Chillbeach

Denn dafür war die Aqualounge bekannt. Wummernde Bässe, die uns kaum schlafen liessen. Hier gab es so etwas wie Nachtruhe nicht. So spielte unser Nachbar auf der anderen Seite manchmal nachts um zwei Uhr eines seiner vier Lieder in voller Lautstärke.Also Bailando von Enrique können wir spätestens seit der Zeit auf Carenero nicht mehr hören. Auf die Frage was man dagegen machen könne, sagte Chuck er habe die Polizei auch einmal gefragt, die daraufhin entgegnete, er müsse sich eine grössere Stereoanlage kaufen.

Wegweiser

Auch sehr unangenehm waren neben den Mosquitos, die kleineren Artgenossen Namens Chitre. Kleine Minimücken, die eine brennende Säure auf die Haut spucken. Man konnte sie kaum sehen, aber deutlich spüren. Es gab eine Menge Hausmittelchen, wie Essigwasser, oder Kokosöl auf die Haut sprühen, oder die Rauchspiralen. Irgendwie half aber nichts dergleichen in der Abendzeit beim Schach auf der Veranda. Daniels Nachbar, Brian der die andere Doppelhüttenhälfte bewohnte, betrieb dort einen Grill. Und da er den Spitznamen Bär trug, war das Ositos (kleiner Bär) nicht zu weit hergeholt.

Boot und Strand

Als einige Tage ohne Swell und leider auch jeden Tag mit knapp 10 Knoten Wind, also nicht kitebar, vorübergingen und wir das kleine Städtchen Bocas erkundet hatten, entschieden wir einen Tauchkurs bei einem Bekannten von Chuck zu beginnen. John, der Bocas Water Sports betreibt und immer eine Geschichte auf Lager hat. Auch wenn in der Sonne an der Oberfläche über 40 Grad herrschen, ist von der hohen Luftfeuchtigkeitshitze unter Wasser in fünf bis 18 Metern nichts mehr zu spüren. Martin wurde wieder krank. Nicht stark, aber unfähig irgend etwas anderes als zu liegen. Tina wurde bald langweilig, nach einigen Büchern, alleinigem surfen und Insel erkunden.

Taxiboot Bocas

Also holte sie sich einen unergründlichen Ausschlag an der Hand, der nach fast zwei Wochen ohne Besserung ärztliche Begutachtung verlangte. Chuck begleitete Tina ins öffentliche Krankenhaus. Die Zustände dort waren fast mittelalterlich. Die Wischmops wurden vor dem Krankenhaus in der Sonne desinfiziert, und genau so sahen auch die Zimmer aus, in die sie ein Blick erhaschen konnte. Der Arzt sah sich nach obligatorischer Gewichts- und Blutdruckkontrolle die Hand an und verschrieb ihr eine Salbe gegen Säureverätzungen. Arztkosten 4 Dollar, Kosten für die Salbe 5 Dollar. Bei der Nachkontrolle konnte Martin mit zum Übersetzen und trotz der Besserung an Tinas Hand, war ihm nach diesem Anblick klar, dort wolle er nicht zum Arzt.

Martin Cruso

 

Die Bevölkerung ist neben den vielen Touristen bunt gemischt, was sich vor allem durch Panamas Geschichte mit dem Kanalbau erklären lässt. Damals wurden viele Chinesen und schwarze Sklaven als Arbeiter eingesetzt. Die Chinesen führen beinahe alle Supermärkte auf den Inseln. Die meisten dunkelhäutigen sprachen mehr englisch, oder es waren Indiogene, die man auch nicht wirklich verstand. Rose die Partnerin von Chuck war eine aus Jamaika stammende Panamaeerin, die aus unerfindlichem Grund alle Indios hasste. Die Chinesen wurden von allen Chinos genannt, überall. Zur Verdeutlichung, selbst die Kinder liefen an die Kasse und ohne zu warten ob der Kassierer gerade Zeit hatte, wurde gerufen: Hey Chino, cuanto es eso?( Hey Chinese, wieviel kostet das?). In einige Lokale sollte man zu späterer Stunde als Weisser nicht mehr gehen, in manche gar nicht. Also die Grundstimmung war nicht so prickelnd. Trotzdem hatte Bocas etwas für sich. Mit dem Boot konnte man für ein paar Dollar Ausflüge zu verschiedenen Stränden machen,deren Namen Programm waren. Red Frog Beach, Starfishbeach oder Dolphinbay. Oder man liess sich direkt am Surfbreak rauswerfen.

Surftaxi

Als Chuck aus dem kleinen Häuschen ausziehen musste, halfen wir beim Endreinigen und staunten nicht schlecht als wir unter der Spüle einen tiefschwarzen Schimmelteppich vorfanden. Vielleicht war das ein Grund warum die Erkältung nicht weichen wollte. Zu diesem Zeitpunkt waren wir erstmals in JJ s Wohnung und sahen das Ausmass des kaputten Daches, das ein Zimmer vollkommen unbewohnbar machte. Wir hatten zwar schon in mehr als einer Nacht das Vergnügen, vom Regen geweckt zu werden. Nur nicht vom prasseln auf dem Dach, sondern von den Strömen die überall durch die Fenster hereinquollen. Dass das aber hauptsächlich am riesigen Loch im Dach kommen könnte lag zu fern. Vor allem, da Chuck uns das als normal erklärte. Es lag wohl auch an der Tatsache, dass er sowieso ausziehen würde, und der Beziehung zu seinem Vermieter, dem Besitzer der Aqualounge.

 

Dort auf der anderen Seite baut Chuck sein Dojo wieder auf. Er ist seit vielen Jahren Kampfkünstler und Lehrer, der seinen eigenen Stil entwickelt hat. Den Pitbull Way.

Cora und Krabbe

Vielmehr geht es bei ihm in der Kampfschule allerdings, um den Aufbau des eigenen Selbstvertrauens und dadurch das Begehen des eigenen Lebens ohne Angst. Jetzt lehrt er wieder, im Collectivo in Bocas del Toro.

Bei Interesse: www.Pitbullway.us

Chucks Kuchen

Wer diesen Pitbullen mit all seinen Tätowierungen gesehen hatte, musste ebenso lachen wie er selbst, als er zu seinem Geburtstag von uns eine rosa Prinzessinnentorte bekam.

 

Wir zogen auch auf die Hauptinsel, ins Hostel Hansi. Ein sehr sauberes Hostel in deutschem Besitz. Wie in so vielen Hostels in Mittelamerika reisen vor allem deutsche. Und so lernten wir im gemütlichen Küchenaufenthaltsbereich Manja und Pablo aus Hamburg und Sarah aus Berlin, sowie Maike und Fabian aus Stuttgart kennen. Wir teilten unsere Erfahrungen und unser Essen zwischen Tür und Angel und an gemeinsamen Abenden.

Hansi Hostel

Mit dem Swell kam auch Martins Kraft zurück, zumindest bildetet er sich das ein. Es reichte auch um endlich kurz vor Abreise noch den Tauchschein abzuschliessen. Open Water Diver, Yiehaa!

Ganz nett die ganze Taucherei, mit schönen Korallen, kleineren Fischen, einer alten Fähre und dieses Sein unter Wasser. Für uns Adrenalinaktivisten aber im Moment noch nichts!

Einheimische Bocas

Zu guter Letzt wanderten Martins Zahnschmerzen, die auf der rechten Seite beim Essen unerträglich waren, noch auf die linke Seite dazu. Ein Blick mit kleinem Hilfsspiegel hatte vor einiger Zeit ein fehlendes Stückchen am hintersten Backenzahn rechts offenbart, vielleicht beim ersten Mal tauchen, oder beim Surfen abgesprengt. Aber nach dem Krankenhausbesuch war klar, dass Martin definitiv bis Panama City oder Brasilien warten würde, solange es irgendwie ginge.

 

Ein Ausflug mit dem Fahrrad zum Bluff Beach rundete die insgesamt 6 Wochen ab, die Martin leider mehrheitlich im Bett verbringen musste.

MT CruisenMartin JesusMartin Wasserspielchen

Bluff Beach

Tina Bike

 

Ob es wieder das tauchen war, oder der auf 11 Grad klimatisierte Nachtbus nach Panama City, in dem auch lange Kleidung und Decken nicht halfen die 11 Stunden warm zu bleiben, Martin wurde wieder kränker.

Der Kanal und die Runde durch die Stadt zu klimatisierten Restaurants bereiteten so keine wahre Freude.

Panamakanal & T

M&T PanamakanalSkyline Panamacity

 

Casco Vejo1 Casco Vejo2 Casco Vejo3  MT Panamacity Panamacity2 Panamacity

Auch der Flug nach Brasilien mit acht Stunden Aufenthalt in Bogotá und die Schlepperei halfen nicht. Im Nachhinein betrachtet ist es spannend, wie sehr diese Umstände das Bild eines ganzen Landes geprägt haben.

 

Wie Martin wieder gesund wurde, es endlich wieder hart ans Kitesurfen ging, über die Zustände der Krankenhäuser in Nordbrasilien und die Trennung von Martin und Tina lest ihr schon nächste Woche in:

 

Back on Track in Brasilien, neue Sprache neues Glück.

Faultier

Mangroven

Schreibe einen Kommentar zu Rainer Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.