Die Reiserei geht los….

Reisen mit Kitegepäck ist nicht die einfachste Art des Reisens. Das wussten wir als Kite-around-the-world begann und der erste Flug in die Dom. Rep. stolze 250 Euro extra für die Kitetasche kostete. Ja, das Gewicht von 32 kg für uns beide zusätzlich sind auch bei kurzen Strecken eine ganz schöne Belastung. Also entweder teurer und/oder schleppen!!!

Die Weiterfahrt mit einem Schiff wurde ja erstmal nix, also doch wieder fliegen um von der Insel zu kommen und zwar Richtung Süden um auf die geplante Route zurückzukehren. Wer kurzfristig bucht zahlt meistens mehr, also war neben der groben Richtung das Budget an vorderster Entscheidungsfront.

Zudem waren wir grad so heiß aufs Surfen, dass auch der Swellforecast die Entscheidung nach Costa Rica zu fliegen bekräftigte. Die aufwändige Busreise nach Santo Domingo, der Hauptstadt der Dominikanischen Republik, konnten wir umgehen, da unser Freund Hernani zum Geburtstag seiner Mutter in besagte Stadt musste und sowieso ein Mietauto brauchte. Mit ein bisschen Smalltalk im Lineup lernt man oft nette und interessante Leute kennen und wie der Zufall es wollte , lernten wir in Encuentro auch Jo kennen, der am selben Tag nach Santo Domingo musste wie wir.

Also einmal das Mietauto vollgestopft mit 4 Personen, 3 grossen Ruchsäcken und natürlich unserer Kitetasche.

In der Zeit der Preisfeilscherei zu Beginn in Cabarete, dachten wir die Lektion des Preisfestlegens-vor-Abfahrt gelernt zu haben……..aber so verrechnet man sich in der Eile am Flughafenterminal dann doch mal um eine Stelle am Komma. So hatte Jo eine günstige Mitfahrgelegenheit, das nächste Mal sind wir wieder dran.

Lieber schlecht gefahren als gut gelaufen….oder seinem Bauchgefühl folgen und das Gepäck sofort aufs Dach schnallen. Zum Glück hatten wir auch erst nach der Fahrt erfahren, dass unser Fahrer keinen Führerschein besitzt, passend zum Land und zur Fahrt.

Shrimps on the way to Santo Domingo

In Santo Domingo angekommen vertrauten wir uns weiterhin unserem Führerscheinlosen Fahrer an, ein günstiges Zimmer für zwei Nächte zu finden. Und schon im Zweiten Etablissement wurden wir quasi fündig: Für nur 22 Dollar pro Nacht durften wir uns mit eindeutiger Artwork an den Wänden aus unserer Komfortzone herauslehnen.

Stundenhotel Santo Domingo

Vor der ersten Nacht beim durchwandern der einen sicheren Strasse in der Zona Colonial diskutierten wir ob wir direkt ein anderes Zimmer suchen sollten, als wir auf Francisco trafen. Einen weiteren nicht offiziellen Guide, der aus seiner Situation was macht und mit Touristen Brockenweise 7 Sprachen spricht, darunter auch deutsch. So rennen wir gemeinsam den Malecon, die 7 km lange Strandpromenade von Santo Domingo, auf und ab und er zeigt uns Restaurants, Kino und andere Sehenswürdigkeiten.

Leider ist der Spaziergang an der Promenade nicht gerade angenehm, für alle Sinne! Das Meer wir dort als Abfalleimer und Endstation jenster Abflüsse benutzt. Es ist wirklich traurig die Müllwellen an den Strand rollen zu sehen und der Gestank ist umbeschreiblich. Und trotz der schülen Stadthitze veruscht man der aufspritzenden Gischt aus dem Weg zu gehen.

Müllstrand Santo Domingo Müllstrand Santo Domingo2

Als Martin ihn fragt, ob es hier einen Ort gibt an dem Basketball gespielt wird, rennen wir den ganzen Weg durch die Zona Colonial zurück zum Club Deportivo y Cultural San Lazaro, an dem Sonntags Liga gespielt wird. Kaum dort angekommen laufen die ersten Jungs auf und die Frage ob Martin mitspielen dürfe wird mit Ja beantwortet. Also nochmal durch die halbe Stadt, Schuhe geholt und schon weit über Warmup-Level wieder in der Halle zurück in der zwei Teams und Schiedsrichter sich bei der Hitze der Karibik 5 gegen 5 ohne auswechseln bis 21 batteln. Right on…nach einem weiteren Spiel darf Martin für 100 Pesos, also knapp 1 Euro 80 für eisgekühltes Wasser mitspielen, hält aber gerade mal zwei Spiele durch, ohne zu verglühen. Das Level war gut und effizient und hat macht mal wieder richtig Spass gemacht.

Martin Basketball Santo Domingo

 

Zurück in unsrem sicheren Stundenzimmer, tritt die Komfortzone in den Mittelpunkt zurück , es war schon dunkel. Das Thema Angst ist machmal ein Grosses, wenn man auf Reisen in fremden Ländern ist. Selbst unser Einheimischer Guide empfiehlt, nach Einbruch der Dunkelheit nur an Orten aufzuhalten die mit genügend Menschen bestückt sind. Also überreden uns die bettelnd, pöpelnden Jungs auf der Strasse, die auch noch mit Stöcken bewaffnet sind, uns nicht von der Hauptstrasse Calle Conde

Zona Kolonial Santo Domingo

Tina Zona Kolonial

wegzubewegen und das empfohlene iranischeRestaurant auf den nächsten Abend zu verschieben. Stattdessen gabs Todo Pollo, wieder mal Hünchen, American-Fastfood-Style in den völlig entkräfteten Körper. Um dann im „ heimeligen“,fensterlosen Feuchtzimmer zu monotonen und eindeutigen Rhythmen aus den Nebenzimmern erholsamen Schlaf zu finden,bei dem Versuch die Bettlaken mit keinem Körperteil zu berühren.

 

Am nächsten morgen, erstmals seit langem wieder in einer Stadt, beobachteten wir nach einem gemütlichen Frühstück das Treiben der ersten Stadt Amerikas. Auf der Suche nach geschichtsträchtigen Orten und Gebäuden , wurden wir zwar spärlich fündig, blieben aber unbeeidruckt. Die Geschichte hier ist einfach erst 500 Jahre alt, was für uns Europäer wenig ist.

Als wir auf Nicolas stossen, einen legalen Guide der Stadt, der auch schon einige Zeit in Deutschland verbracht hat. Er schien eher auf dem Weg nach Hause, mit seiner Frau an der Seite, als wir ihn nach dem Weg zu den Tres Ojos fragten. Kurzerhand laufen wir zu viert an ein paar alten Kirchen vorbei und in den Hintereingang des Bernsteinmuseums, in dem wir eine private Führung bekommen. Das Ehepaar war immer noch da, als unsere 30 Minütige Tour beendet war, nur um uns den Weg zur Bushaltestelle zu den berühmten drei Höhlen zu zeigen. So setzten sie uns in den richtigen Bus, das Bussytem als kurzzeitger Tourist in Santo Domingo zu verstehen ist fast unmöglich!

verfallene Kirche Santo Domingo Tina mit Kanone Santo Domingo

Dank Zuruf wussten wir an der richtigen Stelle auszusteigen, was wir soo nie getan hätten, da es aussah als wären wir an einem kleinen Rastplatz an der Autobahn gestoppt. Dann tat sich mit einem weiteren Führer, der sehr gerne seit 25 Jahren Touristen durch die Tres Ojos leitet und dabei seine Fotografieleidenschaft mit sämtlichen Modellen der Touris ausleben kann, eine Höhlenlandschaft auf die sich sehen lassen konnte. So bekamen wir zu einer Tour in deutsch und spanisch noch ein Foto an jeder Ecke dazu;-).

Tres Ojos1 Schildi Tres Ojos Tres Ojos3 Tres Ojos4 Tres Ojos2 Tres Ojos5 Martin Tres Ojos

Die Bushaltestelle für den Rückweg war nach ein bisschen Rumfragen auf der gegenüberliegenden Seite der Autobahn ausgemacht, die bei strömendem Regen ohne Brücke überwunden werden musste. Gemeinsam mit einer Familie und ihren drei Kindern meisterten wir diese, um in einem noch günstigeren Bus für 15 Pesos pro Person. Leider landeten wir an einer zu weit nördlich liegenden Haltestelle der Zona Colonial. Das war genau die Gegend in der man als Weisser nicht aufkreuzen sollte. Deshalb liess Martin die Kamera auch in der Tasche stecken, als wir als einzigste Hellhäutige durch dunkelhäutiges Treiben in Richtung sicherer Tourigegend durch den Regen rannten. An diesem Abend trauten wir uns dann, noch bei Helligkeit, in das iranische Geheimtipprestaurant. Leckleckerlecker. Auch ohne Strom schaffte unser Gastgeber eine gemütliche Atmosphäre und leckeres Essen. Inzwischen war es dunkel und die paar aufdringlich bettelnde Gang junger Burschen konnte uns nicht davon abhalten, entspannt in Richtung „Bumsbude“ zu schlendern. Weder die Cracksüchtigen im Park direkt gegenüber noch die Hämmernden Geräusche der Nachbarn störten unsere zweite Nacht …. man gewöhnt sich wohl an alles. Aber wir haben daraus gelernt, lieber ein bisschen mehr für unsere Unterkunft auszugeben und dafür entspannt schlafen können.

 

Mit Kitegäck aus dem Taxifenster hängend, dass wir am Vorabend ausgefeilscht hatten, ging es zum Flughafen um die letzte Anekdote der Dom. Rep zu erleben. Mit Extra viel Zeit, in dem Wissen unser Surfgepäck eigentlich von diesem Flughafen nicht mitnehmen zu dürfen obwohl wir es telefonisch abgeklärt hatten, nahm die Bürokratische Gemütlichkeit am Checkinschalter ihren Lauf.

Wir hatten es lustig mit den zwei Angestellten von Jetblue die uns die Wartezeit von einigen Telefonaten und dem Auftauchen des Vorgesetzten mit Unterbreitungen von klassischem Gesang des männlichen Parts versüssten. Während die Schlange hinter uns wuchs und wuchs. Mehrfach mussten wir erklären was Kiteboards sind und Fragen nach Sponsoren und unserer Route beantworten. Für nur 50 anstatt 200 Dollar durfte unsere Kitetasche mitfliegen, ein schöner Abschied aus der Dominikanischen Republik.

 

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